Neben dem hohen Anteil an Wasser sind Fettstoffe der zweitgrößte Bestandteil von Pflege- und Kosmetikprodukten. Die Geschichte der Körper- und Schönheitspflege begann im alten Ägypten mit dem Einsatz von tierischen Fetten und Pflanzenölen. Die frühesten eingesetzten Pflanzenöle waren Oliven- und Sesamöle sowie das Walrat der Pottwale. Der Gebrauch und die Verbreitung eines Pflanzenöl war von der geografischen Lage und der dort ansässigen Kultur abhängig. Nach der Erfindung der Petrochemie im 20. Jahrhundert wurden zunehmend künstlich hergestellte Mineralöle als Fettlieferant in Kosmetikprodukte eingearbeitet. Mineralöle oder auch Paraffine genannt sind ein Nebenprodukt aus der Erdölverarbeitung. Sie sind preiswert herzustellen, können unbegrenzt gelagert werden und verdrängten die Pflanzenöle aus der Kosmetik. Diese Stoffe werden von der Haut nicht aufgenommen und bleiben daher an der Oberfläche. Dies erklärt ihre besonders ausgeprägte hautglättende Wirkung. Die damit verbundene Erhöhung der Okklusivität drosselt den transepidermalen Wasserverlust, was zu leichten Hautquellungen führt – das Wirkungsprinzip vieler kurzfristig wirksamer Antifaltenmittel in der Kosmetik. Langfristig kann es aber durch die Quellung zu Hautproblemen kommen. Ein entscheidender Nachteil gegenüber Pflanzenölen ist, dass sie die hauteigene Regeneration dämpfen.
|
Eine der wichtigsten und hautfreundlichsten Fettlieferanten sind Pflanzenöle. Sie sind natürlich und rein. Sie pflegen und nähren die Haut und sind empfehlenswert, wenn eine gesunde und nachhaltige Hautpflege gewünscht wird. Pflanzenöle bestehen aus Glycerin gebunden mit Fettsäuren, die auch ungesättigt und mehrfach ungesättigt sein können. Bei Raumtemperatur sind Pflanzenöle flüssig und werden mit Emulgatoren und Wasser zu Cremes verarbeitet. Die neueste und hautschonendste Variante ist das Ersetzen des Emulgators durch DMS. Dadurch ziehen die Pflanzenöle schneller in die Haut ein und bleiben nicht auf ihr sitzen. Bei Barrierestörungen und zur täglichen Hautpflege sind Pflanzenöle mit spezifischer Fettsäurebesetzung zu empfehlen. Nachtkerzen-Öl hat z. B. einen hohen Gamma-Linolensäure Anteil, der bei zu Neurodermitis neigender Haut hilfreich sein kann. Pflanzenöle mit hohem Linolsäureanteil, wie Sonnenblumenöl und Weizenkeimöl, fördern darüber hinaus die Bildung des linolsäurehaltigen Ceramid 1 in den Barriereschichten der Haut. Weizenkeimöl hat ähnlich wie das Avocado-Öl auch einen großen Anteil an Palmitinsäure, einem typischen Hornschichtbestandteil. Für junge Haut verwendet man die leichten Pflanzenöle mit kurzkettigen Fettsäuren. Reifere Haut sollte mit einem reichhaltigem Pflanzenöle, wie z. B. mit Macadamia-Öl, mit langkettigen Fettsäuren behandelt werden. Leinöl hat einen hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure mit beruhigender und entzündungshemmender Wirkung. Werden die Pflanzenöle mit Nanopartikeln versetzt, können sie besser und tiefer in die Haut eindringen. Moderne Oleogele, die nur aus einer Ölphase bestehen, eignen sich besonders für Problemhäute und diesen darüber hinaus als Kälteschutzcreme. Sie haben einen hohen Ölanteil, ohne fettig zu wirken. Sie sind definitionsmäßig Öle, die auf eine halbflüssige, gelartige Konsistenz eingestellt werden. Sie werden unter anderem in der Fußpflege, bei Dekubitus und perianalen Hautstörungen, trockenen Händen und bei sehr trockener Haut und als Kälteschutzcreme verwendet. Man kann sie auch mit passenden Pflanzenöle mischen. Werden Pflanzenöle bei diesen Präparaten eingesetzt, können Linolsäure und wertvolle Begleitstoffe wie Phytosterine und Vitamine freigesetzt werden. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Avocadoöl. Es wird mit Ölextrakten angereichert, in denen die genannten Begleitstoffe enthalten sind. Im Gegensatz zu Mineralölen und Wachsen können Pflanzenöle ranzig werden, wenn sie einen höheren Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweisen. Dieser Nachteil wird durch den Zusatz von Vitamin E und C in Form von fettlöslichen Derivaten weitgehend ausgeglichen. Nach einer eingehenden Hautanalyse werden die passenden Pflanzenöle und Hautpflegeprodukte zusammengestellt.
|
 |
Pflanzenöle für eine gesunde Kosmetik
|